Die Hemmung als Herz des Gangwerks – Groß- und Kleinuhren im Überblick

Wer ein Uhrwerk verstehen will, muss die Hemmung verstehen. Sie entscheidet, wie aus der Kraft des Räderwerks ein kontrollierter Gang entsteht.

Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer neuen Serie zu Hemmung und Gangregler. Er spannt den Bogen von den klassischen Hemmungen der Großuhr über historische Hemmungen für tragbare Uhren bis zur freien Ankerhemmung und einem ersten Ausblick auf besondere Konstruktionen nach George Daniels.

Die Aufgabe der Hemmung im Uhrwerk

Die Hemmung sitzt zwischen Räderwerk und Gangregler. Sie gibt die Bewegung des Hemmungsrades nicht ungebremst frei, sondern überträgt die verfügbare Kraft in einzelnen, wiederkehrenden Impulsen an Pendel oder Unruh.

Zugleich begrenzt sie den Ablauf des Räderwerks. Der Gangregler bestimmt damit, in welchem Rhythmus das Uhrwerk weiterläuft. Die Hemmung beeinflusst deshalb nicht nur die Kraftübertragung, sondern auch Schwingungsweite, Gangverhalten und die Empfindlichkeit gegenüber äußeren Einflüssen.

Entscheidend ist dabei die Frage, wie weit der Gangregler zwischen zwei Impulsen möglichst unbeeinflusst schwingen kann. Daraus ergibt sich die grundlegende Unterscheidung der Hemmungsarten.

Hemmungen bei Großuhren: rückführend, ruhend, frei

Bei Großuhren mit Pendel unterscheidet die klassische Uhrmacherei zwischen rückführenden, ruhenden und freien Hemmungen.

Bei einer rückführenden Hemmung wird das Pendel während des Eingriffs deutlich beeinflusst und zurückgeführt. Diese Bauart ist konstruktiv vergleichsweise einfach, kann den Gangregler aber stärker beeinträchtigen.

Ruhende Hemmungen reduzieren diese Rückführung auf eine Ruhereibung. Die Graham-Hemmung steht für dieses Prinzip: Das Pendel erhält seinen Impuls, während die Hemmung zwischen den Impulsen auf einer Ruhefläche arbeitet.

Freie Hemmungen gehen weiter. Sie sollen das Pendel im Ergänzungsbogen möglichst frei schwingen lassen und den Einfluss des Räderwerks auf einen begrenzten Bereich um die Mittellage konzentrieren.

Damit wird ein grundlegendes Ziel der Uhrmacherei sichtbar: Der Gangregler soll nur dort mit dem Werk verbunden sein, wo der Antrieb erforderlich ist. Den übrigen Teil seiner Schwingung soll er möglichst unbeeinflusst ausführen.

Tragbare Uhren: von der Spindel zur freien Ankerhemmung

Auch bei tragbaren Uhren stand am Anfang die Spindelhemmung. Sie prägte zwischen 1500 und 1700 die frühen Taschen- und Kleinuhren.

Mit steigenden Ansprüchen an die Ganggenauigkeit traten ihre Grenzen deutlicher hervor. Die starke Rückführung und die geringe Schwingungsweite der Unruh, die bei der Spindelhemmung kaum größer als 100 Grad sein konnte, wirkten sich ungünstig auf den Gang aus.

Bei einer getragenen Uhr kommen Bewegungen und Erschütterungen hinzu. Sie können den Gangregler – abhängig von Richtung und Zeitpunkt – beschleunigen oder verzögern. Größere Schwingungsweiten der Unruh erhöhen ihre mittlere Geschwindigkeit und verringern damit die Empfindlichkeit gegenüber solchen äußeren Einflüssen.

Die Zylinderhemmung als ruhende Hemmung

Thomas Tompion und George Graham entwickelten zwischen etwa 1695 und 1720 die Zylinderhemmung. Sie knüpft an die Graham-Hemmung an und gehört zu den ruhenden Hemmungen.

Die beiden Ankerklauen werden bei dieser Bauart durch die Wand eines Zylinders ersetzt. Ein Einschnitt, die sogenannte Passage, ermöglicht dem Radkranz des Zylinderrades den Durchgang. Dadurch kann die Unruh eine wesentlich größere Schwingungsweite erreichen.

Die mittlere Schwingungsweite der Unruh beträgt bei der Zylinderhemmung etwa 270 Grad. Gegenüber der Spindelhemmung war dies ein erheblicher Fortschritt.

Die Zylinderhemmung blieb jedoch keine freie Hemmung. Während des Ergänzungsbogens wirkt weiterhin Ruhereibung. Bei längerem Betrieb kann dick werdendes oder verschmutztes Öl die Reibung erhöhen und ein Nachgehen verursachen.

Duplexhemmung: Doppelrad mit Vor- und Nachteilen

Die Duplexhemmung arbeitet mit einem Doppelrad. Lange Ruhezähne und kurze Antriebszähne übernehmen unterschiedliche Aufgaben: Die Ruhezähne dienen der Verriegelung, die kürzeren Zähne geben den Impuls.

Der Antrieb erfolgt nur bei jeder zweiten Halbschwingung der Unruh. Diese Konstruktion bringt jedoch besondere Anforderungen mit sich. Die Hemmung besitzt einen toten Punkt und läuft daher nicht selbstständig an.

Bei großen Schwingungen kann sie außerdem „galoppieren“. Dann entstehen zwei Impulse während einer Halbschwingung, sodass die Uhr doppelt zu schnell geht. Die Duplexhemmung wurde daher vergleichsweise selten hergestellt und bald weitgehend von der Ankerhemmung abgelöst.

Die freie Ankerhemmung: Idee und Grundprinzip

Die freie Ankerhemmung gibt dem Gangregler während des Ergänzungsbogens möglichst viel Freiheit. In dieser Phase sollen Räderwerk und Hemmung die Unruh nicht unmittelbar beeinflussen.

Vollständig frei schwingt die Unruh dabei nicht: Zapfenreibung, Luftwiderstand und die innere Reibung der Spiralfeder bleiben wirksam. Im Vergleich zu ruhenden Hemmungen wird der direkte Einfluss des Werkes jedoch deutlich reduziert.

Thomas Mudge entwickelte 1760 die freie Ankerhemmung. Zwischen Hemmungsrad und Gangregler sitzt ein Anker mit Paletten. Die Übertragung vom Anker auf die Unruh erfolgt über den Hebelstein und den Gabeleinschnitt.

Damit die Hemmung bei Erschütterungen sicher arbeitet, gehören Sicherheitsmesser und Sicherheitsrolle zur Konstruktion. Sie verhindern, dass der Anker während des Ergänzungsbogens auf die falsche Seite gelangt. Der Anzugwinkel sorgt zudem dafür, dass der Anker sicher an seinem Begrenzungsstift gehalten wird.

Bei einem Führungswinkel an der Unruh von etwa 35 Grad, der sich aus Auslösung und Antrieb zusammensetzt, bleibt der überwiegende Teil der Gesamtschwingung als Ergänzungsbogen erhalten.

Warum sich die freie Ankerhemmung durchgesetzt hat

Der Vergleich von Spindel-, Zylinder- und Duplexhemmung mit der freien Ankerhemmung zeigt ein gemeinsames Entwicklungsziel: Die Unruh soll mit möglichst wenig störendem Einfluss des Räderwerks schwingen können.

Die freie Ankerhemmung konzentriert Auslösung und Antrieb auf kurze, definierte Abschnitte der Schwingung. Den verbleibenden Ergänzungsbogen kann die Unruh weitgehend nach ihrem eigenen Schwingungsverhalten durchlaufen.

Im Gegensatz dazu bleibt bei Zylinder- und Duplexhemmung die Ruhereibung ein wichtiger Einflussfaktor. Besonders der Zustand des Öls kann dort das Gangverhalten verändern.

Die freie Ankerhemmung in ihrer heute verbreiteten Lever-Ausführung verbindet diese weitgehende Freiheit der Unruh mit einer robusten Konstruktion. Gerade diese Verbindung aus zuverlässigem Antrieb, sicherer Verriegelung und hoher Alltagstauglichkeit erklärt ihre große Bedeutung bei mechanischen Armbanduhren.

Die Entwicklung der Hemmung endete jedoch nicht mit der freien Ankerhemmung. George Daniels beschreibt die Chronometerhemmung als freie Einimpulshemmung: Das Hemmungsrad gibt seinen Impuls unmittelbar an eine Rolle auf der Unruhwelle, während der Gangregler im Ergänzungsbogen frei schwingen kann.

Seine Co-Axial-Hemmung greift die Suche nach günstigen Kraft- und Reibungsverhältnissen auf, verfolgt jedoch einen eigenen konstruktiven Weg. Sie arbeitet mit zwei übereinanderliegenden Rädern und verteilt die Impulse auf einen direkten Impuls an die Unruh sowie einen weiteren über den Anker.

Ausblick: Von der Theorie zur Werkbank

Dieser Beitrag legt die Begriffe und Zusammenhänge zwischen rückführenden, ruhenden und freien Hemmungen in Groß- und Kleinuhren. Er erklärt zugleich, warum die freie Ankerhemmung zum prägenden Prinzip moderner tragbarer Uhren wurde.

Die Serie wird dieses Thema nun im Detail fortsetzen. Zunächst geht es um Eingriffsfehler und Hemmungsprobleme: Zahnluft, zu tiefe oder zu seichte Eingriffe, Streifungen sowie die Frage, wie Fehler systematisch erkannt werden.

Darauf folgt die freie Ankerhemmung in der Reparaturpraxis. Dann stehen Eingriffstiefe, Fall, verlorener Weg und Zug im Mittelpunkt. Spätere Teile widmen sich der Chronometerhemmung und der Co-Axial-Hemmung nach George Daniels sowie dem Zusammenspiel von Hemmung, Unruh, Spiralfeder und Regulierung.

Präzisionsfeilen: Nadelfeilen und Echappementfeilen in der Uhrmacherei

Uhrmacher-Werkbank mit Präzisionsfeilen für die Uhrmacherei bei feinen Restaurierungsarbeiten

Präzisionsfeilen: Nadelfeilen und Echappementfeilen in der Uhrmacherei

In der feinen Welt der Uhrmacherei sind Präzisionsfeilen unverzichtbare Gefährten, die empfindliche Komponenten mit höchster Genauigkeit nachbearbeiten. Während grobe Werkstattfeilen für rauen Materialabtrag sorgen, öffnen Nadelfeilen und Echappementfeilen den Weg zu meisterlicher Präzision. Lassen Sie uns ihre Merkmale, die kluge Auswahl und ihre historischen Wurzeln erkunden.

Unterschiede: Werkstattfeilen vs. Präzisionsfeilen

Werkstattfeilen, auch Bankfeilen genannt, wurzeln im Schlosserhandwerk und eignen sich hervorragend für schnellen, groben Abtrag. Sie orientieren sich an DIN-Normen mit Hieben 1 bis 3 und dienen vor allem Schrupparbeiten. Präzisionsfeilen hingegen prägen die Welt der Uhren-, Schmuck- und Feinmechanik.

Diese Feilen folgen nicht einheitlichen Normen, sondern herstellerspezifischen Standards, die feinste Nuancen ermöglichen. Ihr Hieb reicht von H00 (sehr grob) bis H4 (sehr fein), seltener sogar H8, für minimale Späne und exakte Konturen. Beachten Sie: Der deutsche Hieb weicht vom schweizerischen ab, weshalb eine H3-Feile je nach Herkunft merklich variiert.

Nadelfeilen besetzen die mittlere Größenklasse mit rundem, stumpfem Ende für Arbeit ohne Heft, während Echappementfeilen als kleinste Spezialisten für uhren-spezifische Feinarbeiten konzipiert sind.

Hieb, Querschnittsformen und Spitzenvarianten

Der Hieb, gemessen als Zahl der Hiebe pro Zentimeter Feilenlänge, definiert die Feinheit: H00 für grobe Vorarbeiten, H4 für sehr feine Feilarbeiten. Valtitan-Feilen von Vallorbe Swiss halten bis 72 HRC (Härte nach Rockwell) stand, herkömmliche erreichen 60 HRC.

Zu den Querschnitten zählen rechteckig-flach, Dreikant, Vierkant, Rund, Halbrund, Vogelzunge, Barett und Messer. Flachstumpfe Feilen glätten ebene Flächen, flachspitze greifen enge Nischen; Vogelzungenfeilen formen Rundungen, Barettfeilen spitze Ecken.

Das Standardmaterial Werkzeugstahl dominiert, ergänzt durch Diamantbeschichtungen für extreme Härte. Die Größenstaffel reicht von massiven Bankfeilen über mittlere Nadelfeilen bis zu minimalen Echappementfeilen.

Historischer Ursprung der Echappementfeilen

Während der Industrialisierung lieferten Fabriken bloße Rohwerke (Ebauches), die Uhrmacher vervollständigten – oft inklusive Hemmungspartien am Anker. Hier entstanden Echappementfeilen, benannt nach dem französischen „Echappement“ für Hemmung.

„Für Feilarbeiten am Anker benötigte man entsprechend kleine Feilen.“

Diese winzigen Werkzeuge machten handwerkliche Feinheiten ohne Maschinen möglich und bleiben in Restaurierungen essenziell, wo absolute Millimeter-Genauigkeit zählt.

Praktische Auswahl: Material und Werkstück

Die richtige Feile nützt wenig, wenn sie nicht exakt zum bearbeitenden Material und zur Form des Werkstücks passt. Hierbei gelten für den Uhrmacher klare Grundregeln:

Die Wahl richtet sich nach Material: Separate Sets für Messing und Stahl – letzteres spart die Schneiden länger –, oder Vorder- und Rückseite markieren durch Einritzen. Messingspäne stumpfen Feilen rascher ab.

Passend zum Werkstück wählen:

  • Flachstumpffeile für ebene Flächen wie einen 20 x 20 mm Würfel.
  • Vogelzungenfeile für Rundungen.
  • Barettfeile für Ecken an Zahnradrohlingen.
  • Dreikantfeile für Innenvierkanten am Sperrrad.
  • Nadelfeilen für kleinere Bauteile.
  • Echappementfeilen für Feilarbeiten an der Hemmung.

Größe stets abstimmen, damit Feile und Werkstück zueinander passen. In der Uhrmacherei steht Präzision im Vordergrund.

Sicherheit und Handhabung von Präzisionsfeilen

Jede Feile gliedert sich in das gehärtete Blatt mit Hieb und die weichgeglühte Angel mit Bruchgefahr. Bei spitzen Angeln von Bank-, Nadel- oder Echappementfeilen ist ein festes Heft zwingend – wackelfrei gegen Verletzungen.

Nadelfeilen mit rundem Ende erlauben heftlosen Einsatz. Prüfen Sie Heft und Griff immer!

Pflege durch Messing/Stahl-Trennung verlängert die Lebensdauer dieser Werkzeuge.

Handwerkliches Fazit

Präzisionsfeilen wie Nadelfeilen und Echappementfeilen sind das Herzstück uhrmacherischer Meisterschaft. Sie wandeln rohe Formen in langlebige Präzision um und ehren das traditionelle Handwerk.

Ausblick: Im nächsten Beitrag widmen wir uns Spezialfeilen für Restaurierungen: Diamant- bis Wälzfeilen.

Gewicht vs. Feder: Das Herz des Uhrwerks und der ewige Kampf um gleichmäßige Kraft

Historische Zeichnung eines Uhrwerks mit Pendel auf altem Papier

Themenschwerpunkt: Die Theorie der Zeit

Jede mechanische Uhr, sei es eine monumentale Turmuhr oder eine filigrane Armbanduhr, beginnt mit derselben fundamentalen Komponente: dem Antrieb. Man kann ihn als das Herz oder den „Kraftspeicher“ des Werkes bezeichnen. Seine einzige Aufgabe ist es, dem Gangregler – dem Pendel oder der Unruh – die Energie zuzuführen, die dieser benötigt, um seine Schwingungen gegen Reibung und Luftwiderstand aufrechtzuerhalten.

In der Geschichte der Uhrmacherei haben sich zwei Hauptantriebsarten durchgesetzt, die einen fundamentalen Konflikt des Handwerks definieren: Der Kampf zwischen idealer Präzision und praktischer Mobilität.

Wir sprechen vom Gewichtsantrieb und vom Federantrieb.

Das Gewicht: Der Inbegriff der Konstanz

Der Gewichtsantrieb ist die älteste Antriebsform in Räderuhren. Sein Prinzip ist die pure, unverfälschte Schwerkraft.

  • Der große Vorteil: Ein Gewicht liefert eine absolut gleichbleibende Antriebskraft. Vom Moment des Aufzugs bis zum Ablauf der Gangdauer ist die Kraft, die das Gewicht auf das Räderwerk ausübt, identisch. Für einen Gangregler, dessen Präzision von einer gleichmäßigen Energiezufuhr abhängt, ist dies der Idealzustand.
  • Der entscheidende Nachteil: Ein Gewichtsantrieb funktioniert nur in ortsfesten Uhren. Die Notwendigkeit, das Gewicht vertikal fallen zu lassen, bindet die Uhr an einen festen Platz.

Aus diesem Grund ist der Gewichtsantrieb bis heute die unangefochtene Wahl für alle hochwertigen Präzisions-Pendeluhren, bei denen die Mobilität keine Rolle spielt, die reine Ganggenauigkeit aber alles ist.

Die Feder: Die Revolution der Tragbarkeit

Der Federantrieb war die technische Revolution, die die Uhr mobil machte und uns aus der Abhängigkeit von ortsfesten Turm- und Standuhren befreite. Mit der Entwicklung der Zugfeder konnten Uhrmacher wie Peter Henlein um 1500 erstmals Uhren bauen, die man „im Busen oder Geldbeutel“ tragen konnte.

  • Der große Vorteil: Der Federantrieb kann in allen Uhren angewandt werden, unabhängig von ihrer Lage oder Bewegung. Er ist der meistverbreitete Antrieb in der Uhrmacherei.
  • Der entscheidende Nachteil: Die Feder liefert eine ungleichmäßige Kraft.

Dieser Nachteil ist das zentrale Problem der tragbaren Uhr. Eine voll aufgezogene Feder (kurz und stark gespannt) liefert eine viel höhere Kraft als eine fast abgelaufene Feder (lang und entspannt). Diese variable Kraftübertragung ist der natürliche Feind der Präzision.

Die Lösung: Der Kampf um gleichmäßige Kraft

Der ungleichmäßige Antrieb der Feder rief die größten Geister der Uhrmacherei auf den Plan. Wie konnte man eine ungleichmäßige Kraftquelle dazu bringen, eine gleichmäßige Kraft abzugeben?

Es gab verschiedene Lösungsansätze, wie das „rückgängige Gesperr“ oder die „Stellung“ (z. B. das Malteserkreuz), die im Grunde die extremsten Kraftspitzen der Feder beim Aufzug einfach blockieren.

Die genialste und technisch eleganteste Lösung ist jedoch die Schnecke (frz. Fusée).

Diese Konstruktion schafft eine völlige Abgleichung der Kraft. Das Prinzip ist reine, angewandte Physik:

  1. Das Federhaus (der Kraftspeicher) ist nicht direkt mit dem Räderwerk verbunden, sondern über eine Kette oder ein Stahlband.

  2. Diese Kette ist mit der „Schnecke“ verbunden, einer kegelförmigen Welle, die das erste Rad des Räderwerks antreibt.

  3. Die Kompensation:

    • Wenn die Feder voll aufgezogen ist (maximale Kraft), zieht die Kette am kleinsten Durchmesser der Schnecke. Der Hebelarm ist kurz, das Drehmoment wird reduziert.
    • Während die Feder abläuft und schwächer wird, wickelt sich die Kette auf einen immer größeren Durchmesser der Schnecke ab. Der Hebelarm wird länger, das Drehmoment wird erhöht.

Durch diesen sich ständig anpassenden Hebelarm wird die abnehmende Kraft der Feder perfekt ausgeglichen. Das an das Räderwerk abgegebene Drehmoment bleibt – wie beim Gewichtsantrieb – fast vollkommen konstant.

Obwohl die Schnecke heute in modernen Armbanduhren (zugunsten spezieller Federlegierungen und Hemmungskonstruktionen) selten geworden ist, bleibt sie ein Denkmal für die Genialität der alten Meister. Sie lösten ein fundamentales physikalisches Problem und ebneten damit den Weg für die tragbare Präzisionsuhr.


Nächstes Mal in unserem Blog (Themenbereich 1): Stahl, Messing, Silberstahl: Die Materialauswahl des Uhrmachers.